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Deutsche Universitäten: Fehlendes drittes Geschlecht in Immatrikulationsanträgen

Seit Beginn des Jahres 2019 sind Arbeitgeber verpflichtet, “divers” als weiteren Geschlechtseintrag neben männlich und weiblich als Option aufzuführen. Deutschlands größte Universitäten scheint dies jedoch nur bedingt zu interessieren, denn in einer Vielzahl von Immatrikulationsanträgen fehlt das dritte Geschlecht weiterhin. Daher müssen sich 160.000 intersexuelle Menschen immer noch mit einer recht intoleranten Bewerbungsform auseinandersetzen.

 

Die 50 größten Hochschulen Deutschlandsnur M/W M/W/ keine AngabeM/W/DM/W/D/ keine AngabeKeine Informationen KommentarPDF/DokumentOnline-Portal
Johann Wolfgang GoetheyUniversität Frankfurt am Mainxx
HeinrichyHeineyUniversität Düsseldorfxx
Universität Regensburgxx
Technische Universität MünchenxNur Auswahl für “Anrede”x
Universität HamburgxNur Auswahl für “Anrede”x
Freie Universität BerlinxNur Auswahl für “Anrede”x
Eberhard Karls Universität Tübingenxx
LudwigyMaximiliansyUniversität Münchenxverfügbar nach August
Rheinische FriedrichyWilhelmsyUniversität Bonnxx
JuliusyMaximiliansyUniversität Würzburgx
Technische Universität Dresdenx
Universität StuttgartxNur Auswahl für “Anrede”x
AlbertyLudwigsyUniversität Freiburgxx
Technische Universität Berlinxx
Universität Leipzigxx
Universität DuisburgyEssenxx
HumboldtyUniversität zu Berlinxx
Technische Universität DarmstadtxNur Auswahl für “Anrede”x
PhilippsyUniversität Marburgxx
Bergische Universität Wuppertalxx
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannoverxx
Universität Bielefeldxx
Karlsruher Institut für TechnologiexNur Auswahl für “Anrede”
Westfälische WilhelmsyUniversität MünsterxNur Auswahl für “Anrede”
Universität zu Kölnxx
JustusyLiebigyUniversität Gießenxx
MartinyLutheryUniversität HalleyWittenbergx
FriedrichyAlexanderyUniversität ErlangenyNürnbergxx
RWTH Aachenxx
RuhryUniversität BochumxNur Auswahl für “Anrede”x
ChristianyAlbrechtsyUniversität zu Kielxx
Johannes GutenbergyUniversität MainzxNur Auswahl für “Anrede”x
Universität Augsburgxx
Technische Hochschule Kölnxx
Universität Kasselxx
Technische Universität Dortmundxx
RuprechtyKarlsyUniversität Heidelbergxx
GeorgyAugustyUniversität Göttingenxx
FOM Hochschule (Essen) xx
Universität Potsdamxx
Universität Paderbornxx
Technische Universität Braunschweigxx
Universität Siegenxx
Universität Bremen xx
Technische Hochschule Mittelhessenxx
FriedrichySchilleryUniversität Jenaxx
Universität KoblenzyLandauxx
Hochschule für angewandte Wissenschaften Münchenxx
Hochschule Darmstadtxx
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburgxx

(Die Daten der vorliegenden Studie beziehen sich auf den 23. Juli 2019.)

Die ausführliche Quellenangabe finden Sie unter folgendem Link: Geschlechterneutralität_ Immatrikulationsanträge in Deutschen Universitäten – Quelle.

Von Hamburg bis Freiburg: Deutschlands toleranteste Universitäten

Betrachten Sie die fünfzig größten Universitäten Deutschlands, fällt Ihnen schnell auf, dass gerade einmal jede fünfte Bildungseinrichtung die Auswahlmöglichkeit “divers” in ihrem Bewerbungsantrag inkludiert hat. Darunter auch die Ränge zwei bis vier von Deutschlands größten Universitäten gemessen an der Anzahl der Studierenden mit der Universität zu Köln, der Westfälischen Wilhelms-Universität (Münster) und der RWTH Aachen. Bei 12.8% der Anträge ohne das dritte Geschlecht besteht immerhin die Möglichkeit, keine Angabe zu machen.

Am progressivsten sind die Technische Universität Berlin, die Johannes Gutenberg-Universität Mainz sowie die Universität Siegen. Hier kann neben den bisherigen Optionen männlich und weiblich nicht nur “divers”, sondern auch “keine Angabe” ausgewählt werden. Insgesamt befolgen 18% der deutschen Universitäten das Personenstandsgesetz und haben das dritte Geschlecht in ihre Anträge auf Immatrikulation aufgenommen. Dazu zählen neben der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, auch die Bildungseinrichtungen Universität Leipzig, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Georg-August-Universität Göttingen sowie die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg.ogressivste

Für die Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschlands größte Universität, sind derzeit leider keine Informationen hinsichtlich des Immatrikulationsantrags verfügbar, da die Bewerbungsfrist für die zulassungsbeschränkten Studiengänge bereits abgelaufen und für die zulassungsfreien erst im Laufe des kommenden Monats wieder online zugänglich sind.

“Sehr geehrter Herr Enby Mayer”

Doch nicht jede Universität in Deutschland fragt konkret nach dem Geschlecht. Jeder achte Antrag beinhaltet statt einer Auswahloption des Geschlechtes die Frage nach der “Anrede”. Die Optionen sind entsprechend “Herr”, “Frau” oder “Divers”. Stellt sich die Frage, wie dies in der Umsetzung aussehen soll. Stellen Sie sich doch einmal ein Schreiben von einer Universität vor, mit “Sehr geehrter Divers Mayer, wir freuen uns, Sie im kommenden Semester in unserer Einrichtung begrüßen zu dürfen…”. Klingt im ersten Moment definitiv ungewohnt und hölzern. 

Eine weitere Option ist das Substantiv Enby, dass eine nichtbinäre Person beschreibt und zu vergleichen ist mit “Herr” und “Frau”. Das Wort kommt aus dem Englischen von der Abkürzung ‚nb‘ für nonbinary.

Die wichtigere Frage ist jedoch, was dies für die Betroffenen bedeutet. Und gerade vor diesem Hintergrund ist dies ein großer Fortschritt für die Toleranz und Anerkennung der Intersexualität. Laut einem Beitrag der Zeit Online ist weltweit jedes 500. Neugeborene intersexuell. Eine Vielzahl jener schafft es jedoch nicht einmal in die Universität oder zu einem Job, da der gesellschaftliche Druck und der Zwang zur Anpassung zu stark sind. Die Einführung des dritten Geschlechts ist daher – insbesondere im Bildungssystem – von hoher Bedeutung, um eine Gleichberechtigung in der Karriereförderung für jeden einzelnen Menschen zu erreichen.

Bewerbung per PDF oder Portal

Die Immatrikulationsanträge der deutschen Universitäten unterscheiden sich ebenfalls hinsichtlich der Art des Antrags. Während 34% der Universitäten auf Formulare in Form eines PDFs zurückgreifen, verwenden 66% ein Online-Bewerbungsportal. Einen Einfluss des verwendeten Tools auf die Auswahlmöglichkeiten lässt sich jedoch nicht feststellen. 

Doch ganz gleich, ob der Bewerbungsantrag per PDF oder Bewerberportal stattfindet, generell sollten deutsche Universitäten nicht länger dem Personenstandsgesetz mit Ignoranz begegnen. Sexuelle Integrität und Akzeptanz ist eine bedeutsame Thematik und sollte nicht unterschätzt werden.

 

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